Zoologischer Anzeiger

herausgegeben

von Prof. J. Vietor Carus in Leipzig. Zugleich Organ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft,

Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig.

XIX. Band. 10. August 1896. No. 509.

Inhalt: I. Wissenschaftliche Mittheilungen, 1. Poppe, Beitrag zur Kenntnis der Gattung Myobia v. Heyden. (Schluß) 2. Boettger, Neue Kriechthiere (Scelotes, Arthroleptis) von den Soy- chellen. II. Mittheil. aus Museen, Instituten ete. Academy of Natural Sciences of Philadel- phia. III. Personal-Notizen. Bibliographia. p. 377—408.

I. Wissenschafiliche Mittheilungen.

1. Beitrag zur Kenntnis der Gattung Myobia v. Heyden. Von 8. A. Poppe in Vegesack. (Schluß.)

Myobia affinis nov. sp. (Fig. 7, § und 9.)

Länge des : 0,34 mm, Breite: 0,19 mm.

Länge des g: 0,26 mm, Breite: 0,16 mm.

Diese Art ist sowohl der M. musculi (Schrk.) wie auch der M. lem- nina (Koch) nahe verwandt, aber doch gut von beiden unterschieden. Was zunächst die Beborstung der Dorsalseite des @ (Fig. 7) betrifft, so sind auch hier die Borsten zweigliederig, aber schlanker als bei den beiden anderen Arten. Die Innenborsten der ersten Serie sind länger und stehen weiter nach vorn, die der zweiten Serie weiter nach hinten. Bei der Serie hinter dem vierten Fußpaar stehen die beiden langen Innenborsten im Niveau dieses Fußpaares, die sehr kleinen Außen- borsten weit nach hinten dem Außenrande sehr nahe. Die vier klei- nen Borsten vor der Vulva sind viel schwächer als bei den beiden an- deren Arten entwickelt.

Die Vulvaklappen sind nicht wie bei M. musculi an ihrer Basis verbreitert, sondern kurz, und gleichen denen von M. affinis. Die Bor- sten der Ventralseite des @ (Fig. 8) sind zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar denen der MM. musculi gleich, etwas stärker als diese,

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aber nicht so stark wie bei M. lemnina; zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar stehen jedoch nur zwei sehr kurze Paare und zwi- schen dem dritten und vierten Fußpaar ist nur ein kurzes Paar vor- handen. Im Niveau des vierten Fußpaares hingegen steht ein Paar kurzer und nahe dahinter ein Paar langer Borsten; ım Niveau der großen Endborsten ein Paar kleiner und ebenso am Außenrande.

Das g (Fig. 9) ist dadurch charakterisiert, daß in der ersten Serie der Rückenborsten neben den Außenborsten nach innen zu eine win- zige Borste inseriert ist, daß hinter der Geschlechtsöffnung nur ein kleines Borstenpaar steht und daß im Niveau des vierten Fußpaares in der Mittellinie drei Einzelborsten hinter einander stehen. Die Be- borstung der Ventralseite ist wie die des ©.

Am zweiten Fußpaar sind bei beiden Geschlechtern zwei gleich große Krallen vorhanden, das dritte und vierte Fußpaar trägt eine einzelne größere Kralle.

Ich fand diese Art zuerst auf einem Exemplar von Mus musculus L., das ich in »Krudop’s Busch«,einem Gehölz der Umgegend Vegesacks,

Fig. $. en | E d ta

gefangen hatte, zusammen mit der typischen Myobia musculi (Schrk.) und nahm an, daB dieselbe vielleicht einem anderen Wirth angehören könne, in dessen Bau die Hausmaus damit infieiert wäre. Bei Durch- inusterung meines Myobia musculi-Materials aus Vegesack fand ich jedoch auch darin einige Exemplare der neuen Art und unterliegt es daler wohl keinem Zweifel, daß unsere Hausmaus zwei verschiedene Myobien-Arten beherbergt. Vielleicht haben schon Claparède und Mögnin beide Arten vor Angen gehabt, woraus der Umstand, dab Ersterer neben einem © von M. musculi mit breitem Hinlerleibe (Fig. 2) ein solches mit schmalem (Fig. 1) 'eben unsere M. affixis!) abbildet und Letzterer seiner M. musculi am zweiten Fußpaar eine Doppel- kralle anstatt einer einfachen zuschreibt, zu erklären wäre.

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Myobia brevihamata Haller. (Fig. 10, 11.)

1552. Myohia brevihamatus (sie!) Haller, Beitrag zur Kenntnis der Milben- fauna Württembergs. in: Jahreshefte des Ver. f. vaterl. Naturkunde in Württem- berg, 1882. p. 312—313.

? Myobia musculi Berlese (partim). in: Acari Myriopoda et Scorpiones hucus- que in Italia reperta. Vol. VI. Fase. LVI. No. 1.

Haller hat diese Art nur sehr kurz und ungenügend beschrieben und seine Angabe: »simmtliche Borsten der Rückenfläche an der Ba- sis stärker verdickt« trifft nur hinsichtlich der Außenborsten der ersten Serie zu. Berlese scheint bei der Beschreibung seiner Myobiu mus- culi die vorliegende Art vor Augen gehabt zu haben, denn auf sie passen seine Abbildungen Fig. I und 2 am besten, obschon auch hier einige Borsten ausgelassen sind.

Länge des : 0,43 mm, Breite 0,26 mm.

Länge des g': 0,29 mm, Breite 0,19 mm.

Die Beborstung der Dorsalseite des @ (Fig. 10) ist auffallend durch die Breite der Außenborsten der ersten Serie, die ungewöhnlich

Fig. 10. c Qe N

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langen Außenborsten zwischen dem zweiten und dritten sowie dem dritten und vierten Fußpaar und die dicht gedrängte Stellung der Innenborsten vom dritten Fußpaar an. Die erste Borstenserie zwi- schen dem ersten und zweiten Fußpaar besteht aus einem Paar an ihrer Basis sehr verbreiterter längsszulpturierter, an der Spitze abge- stampfterSchuppenborsten, denen ein Paar kleiner Innenbors’en nahe- steht. Zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar findet sich ein Paar sehr langer Außenborsten, die bis zum vierten Fußpaar reichen und hinter diesen ein Paar sehr kleiner Innenborsten. Auch zwischen dem dritten und vierten Fußpaar steht ein Paar sehr langer Außenborsten, die bis über die Vulva hinausreichen , und vor diesen ein Paar ziem- lich langer Innenborsten, die wie die bis zur Vulva folgenden nahe

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dem proximalem Ende umgebogen sind, dann aber ziemlich gerade verlaufen. Auf die dritte Serie folgen ein Paar Innenborsten, ein ebensolches und eine Serie von vier Borsten, deren innere mehr nach vorn stehen. Hinter der Vulva stehen noch zwei Paar Borsten, von denen das letzte dem Hinterrande nahe gerückt ist.

Die Vulvaklappen sind gut entwickelt, etwas gebogen, an ihrem distalen Ende abgerundet, und greifen weit über einander.

Auf der Ventralseite des © finden sich zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar drei Paar sehr kleiner Borsten, zwischen dem zwei- ten und dritten steht ein Paar ebensolcher. Auf diese folgen zwischen dem dritten und vierten Fußpaar und hinter letzterem je ein Paar längerer Borsten und schließlich vier kleine Randborsten.

Auf der Dorsalseite des g' (Fig. 11) finden sich, gleichwie beim Q „zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar ein Paar großer schup- penförmiger Außen- und ein solches sehr kleiner Innenborsten. Im Niveau des zweiten Fußpaares steht ein Paar sehr langer Außen- borsten und hinter diesem ein Paar kurzer Innenborsten. Im Niveau des dritten Fußpaares Hegt die Geschlechtsöffnung, die von einer Menge kleiner Borsten, von denen sich acht durch etwas größere Länge auszeichnen, umgeben ist. Die Insertionsstelle des stark ge- krümmten Penis liegt etwas vor dem Niveau des vierten Fußpaares. Im Niveau des dritten sind zwei sehr lange Außenborsten inseriert, die über die Ansatzstellen der großen Hinterrandborsten hinaus- reichen. Nahe dem Ilinterrande finden sich noch zwei kurze Borsten.

Der Borstenbesatz der Ventralseite des g' ist dem des Q ähnlich; besonders auffallend durch seine Länge ist das Borstenpaar zwischen dem dritten und vierten Fußpaar. Am zweiten, dritten und vierten Fußpaar ist nur eine einzige Kralle vorhanden. Haller giebt als Wirth dieser Art das Wiesel (Mustela vulgaris Briss.) an, auf dem He- ring sie gesammelt hatte. Da es mir, wie oben gesagt, nicht ge- lungen ist, sie auf diesem Wirthe zu finden, so handelt es sich höchst- wahrscheinlich um ein zufälliges Vorkommen '®.

Der eigentliche Wirth dieser Art ist der Maulwurf (Talpa curopaea L.) und die Exemplare von deutschen Maulwürfen stimmen mit den von französischen und englischen stammenden genau überein.

10 Um Myobia brevihamata Haller handelt es sich auch bei dem von Berlese erwähnten Fund einer Myobia auf Bombycilla garrula L., der übrigens nicht von Dr. Troucssart sondern von mir gemacht ist.

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Myobia ensifera nov. sp. (Fig. 12, 13, 14.)

Länge des Q: 0,34 mm, Breite: 0,22 mm.

Länge des gt: 0,27 mm, Breite: 0,17 mm.

Eine im Habitus der M. musculi (Schrk.) ähnliche Art, die durch sechs eigenthümlich gestaltete, zweischneidigen Schwertklingen ähn- liche Borsten auf der Dorsalseite characterisiert und an diesen sofort zu erkennen ist. Die übrigen größeren Borsten sind sämmtlich zwei- gliederig und an ihrem distalen Ende abgestumpft. Die erste, im Niveau des zweiten Fußpaares gelegene Serie des (Fig. 12) besteht aus zwei sehr kräftigen, längs sculpturierten Außenborsten, neben denen nach innen zu jederseits eine sehr winzige steht, und zwei wei- ter nach hinten gerückten schlanken Innenborsten. Die zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar befindliche Serie zeichnet sich durch zwei besonders lange und kräftige Borsten aus, die darauf folgende

Fig. 12. Fig. 13.

hat ein Paar gewöhnlicher Außenborsten und ein Paar schwert- föormiger zweigliederiger Innenborsten mit sehr kurzem Endglied. Darauf folgt eine Serie von vier schwertförmigen Borsten, von denen die beiden inneren weiter nach vorn gerückt sind, und dahinter steht ein Paar kleiner Borsten nahe dem Außenrande. Vor der Vulva be- findet sich eine Reihe von vier kurzen Borsten, hinter derselben ein Paar ebensolcher.

Die Vulvaklappen ähneln denen von J. musculi (Schrk.) und sind wie diese mit einem Haken am distalen Ende besetzt.

Die Borsten der Ventralseite des Q (Fig. 13) zeichnen sich durch ihre Kürze aus. Sie sind zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar ähnlich denen von J. musculi (Schrk.) gestaltet, ebenso die im Niveau des zweiten Fußpaares gelegenen zwe: Borsten Zwischen dem zwei- ten und dritten, sowie zwischen diesem und dem vierten und hinter

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letzterem ist je eine Serie von vier kurzen Borsten inseriert, von denen die beiden inneren etwas stärker als die äußeren sind. Auf diese folgen etwas vor dem Niveau der Insertionsstelle der großen End- borsten zwei kleine und am Hinterrande zwei etwas größere Borsten.

Auf der Dorsalseite des g! (Fig. 14) sind die Außenborsten der ersten Serie nicht wie beim © verbreitert, neben denselben steht auch hier eine winzige Borste und die Innenborsten sind viel kleiner. Die zweite Serie zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar besteht aus zwei sehr langen Außen- und zwei sehr kurzen Innenborsten. An der zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar gelegenen Geschlechts- öffnung stehen nur zwei sehr kleine Borsten. Der Penis ist im Niveau des vierten Fußpaares inseriert und verläuft ganz gerade. Im Niveau des dritten Fußpaares stehen zwei lange Außenborsten, in dem des vierten zwei kürzere Borsten in der Mittellinie dicht neben einander; auf diese folgen zwei kleine, weiter von einander stehende in der Nähe des Hinterrandes. Auf der Ventralseite des gi, die hinsichtlich der Beborstung der des Q gleicht, sind zwei größere Borsten in der Mitte des hinter dem vierten Beinpaar gelegenen Körpertheiles bemerkens- werth. Das zweite Fußpaar ist in beiden Geschlechtern mit zwei gleich großen Krallen versehen, während am dritten und vierten Fußpaar nur eine größere Kralle vorhanden ist.

Der Wirth dieser Art ist die Wanderratte (Mus decumanusPall.). Obschon ich eine große Anzahl von Wanderratten von verschiedenen Fundorten untersucht habe, habe ich die J. ensifera bisher auffälliger- weise nur auf solchen Exemplaren gefunden, die aus einem Hause in der meinem Wohnort nahe gelegenen Ortschaft Bröcken stammten. Ferner fand ich sie unter Süßwasser-Crustaceen-Material von Zanzi- bar, wo auch die Wanderratte vorkommt, und erhielt durch Ver- mittelung des Herrn Dr. Trouessart ein Praeparat derselben aus der Ecole vétérinaire d’Alfort, wo sie von Albinos des Mus decumanus gesammelt war.

Myobia Claparedeinov. sp. (Fig. 15, 16, 17.)

Länge des Q: 0,35 mm, Breite: 0,23 mm.

Länge des 51: 0,26 mm, Breite: 0,16 mm.

Der Körper bildet ein ziemlich gleichmäßiges Oval, seine größte Breite liegt zwischen dem dritten und vierten Yußpaar. Das Endglied des ersten Greiffußpaares zerfällt in drei Abschnitte, die gegen das distale Ende des Fußes hin schmaler werden. Der erste Abschnitt ist etwa doppelt so breit wie lang und trägt an der Außenseite den ge- wöhnlichen Haken; der zweite etwa dreimal so breite wie lange hat

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an seiner unteren Seite in der Mitte eine mit Riefeln versehene Schwiele, gegenüber nahe dem Innenrande einen kurzen Zapfen; der Endabschnitt ist in der Mitte mit zwei sehr kleinen, nach außen ge- richteten Krallen versehen. Der Greiffuß ist bei dieser Art also wie die drei anderen Fußpaare noch fünfgliederig und hat die Krallen am Endgliede noch nicht verloren, die übrigens auch bei den Fledermaus- Myobien vorkommen, wo sie bisher, weil sie ihrer Kleinheit wegen nur bei starker Vergrößerung zu erkennen sind, übersehen wurden. Das zweite Fußpaar trägt zwei Krallen, eine größere derbe und eine halb so starke kürzere, die nahe ihrem distalen Ende mit einem Zähn- chen verselien ist. Das dritte und vierte Fußpaar trägt eine einzige starke Kralle.

Die Anordnung der Borsten der Dorsalseite des Q (Fig. 15) zeigt eine gewisse Ähnlichkeit mit der bei M. brevihamata Haller. Die großen Außenborsten der drei ersten Serien sind bei der vorliegenden

Fig. 16, = ~ Fig. 17. ia 3.8), In of N N S Î N s D vn N Sa > Ar k DENIE l t q ) j ) \ ® ER ie D (J i F X / Sr Be R x a A

Art jedoch gleich gestaltet, sie sind sämmtlich in ihrem proximalen Drittel etwas verbreitert. Die erste Serie zwischen deın ersten und zweiten Fußpaar besteht aus drei Paar Borsten, indem sich zu den kleinen Innenborsten, und zwar etwas vor denselben, noch ein Paar sehr winziger Borsten gesellt. Die zweite Serie zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar besteht aus einem Paar sehr langer Außenborster, die sich bis zum Niveau des vierten Fußpaares erstrecken, und zwei weiter nach hinten gestellten sehr kurzen Innenborsten. Auch die dritte Serie im Niveau des dritten Fußpaares ist so gestaltet, doch sind hier die Innenborsten größer. Auf diese folgen vier Paar Innenborsten, von denen die beiden ersten von derselben Größe sind, während das dritte bedeutend kürzer, das vierte wieder länger ist. Um die Vulva stehen zwei Paar kurzer Borsten und hinter diesen ein Paar Rand- borsten. Die Vulvaklappen sind sichelförmig gebogen, au der Spitze abgerundet und am Innenrande mit zwei Borsten versehen,

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Auf der Ventralseite des Q (Fig. 16) stehen zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar ein Paar sehr kleiner Borsten am weitesten nach außen, ein etwas größeres weiter nach innen, und etwas hinter diesem ein langes. Zwischen dem zweiten und dritten sowie dem dritten und vierten Fußpaar ist nur je ein Paar langer Borsten vorhanden; im Niveau des vierten Fußpaares steht ein Paar kurzer Borsten und ein eben solches in der Nähe des Hinterrandes.

Die erste Serie der Borsten der Dorsalseite des q" (Fig. 17) ist wie die des Q gestaltet; ebenso die zweite, doch stehen hier die Innen- borsten in einer Reihe mit den Außenborsten. Im Niveau des dritten Fußpaares befindet sich die Geschlechtsöffnung, vor der drei Paar winziger Borsten inseriert sind, während hinter derselben ein Paar kurzer und eins doppelt so langer steht. Der Penis scheint in der Mitte des Körpers im Niveau des dritten Fußpaares inseriert zu sein, ist mehrfach gekrümmt und an seinem distalen Ende umgebogen. Hin- ter dem vierten Fußpaar steht noch ein Paar sehr kleiner Borsten und hinter diesem ein eben solches; auch der Hinterrand ist mit zwei kurzen Borsten versehen.

Die Beborstung der Ventralseite des q gleicht der des ©.

Ich habe diese Art auf der Waldspitzmaus (Sorex vulgaris L. ) von verschiedenen Fundorten gesammelt.

Myobia elongata nov. sp. (Fig. 18, 19, 20.)

Länge des Q: 0,38 mm, Breite: 0,17 mm.

Länge des gt: 0,35 mm, Breite: 0,15 mm.

Eine besonders lang gestreckte Art, deren Borstenbesatz der Dor- salseite des Q (Fig. 18) dadurch ausgezeichnet ist, daß sämmtliche Borsten an ihrem distalen Ende abgestumpft sind. Die erste Serie zwischen dem ersten und zweiten Fubßpaar besteht aus drei Borsten- paaren, von denen das äußere ziemlich lang und schuppenförmig, das innere kurze ebenfalls schuppenförmig und zweigliederig, das dritte zwischen diesen stehende winzig klein ist. Die zweite Serie im Niveau des zweiten Fußpaares besteht aus einem Paar sehr langer, bis hinter das vierte Fußpaar sich erstreckender Außen- und einem Paar kleiner schuppenförmiger zweigliederiger Innenborsten. Die dritte Serie, aus zwei langen, über den Hinterrand hinaus sich erstreckenden und zwei ziemlich langen schuppenförmigen zweigliederigen Innenborsten be- stehend, ist im Niveau des dritten Fußpaares inseriert. Darauf folgt, etwas vor dem vierten Fußpaar, ein Paar schuppenförmiger zwei- gliederiger Innenborsten und ein ebensolches im Niveau des vierten Fußpaares. Vor der Vulva stehen vier kurze Borsten und seitwärts

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von diesen nach außen ein Paar eben solcher, hinter derselben ein Paar kleiner Borsten.

Die Vulvaklappen gleichen in ihrer Form denen von M. Clapa- redei und tragen an ihrem Innenrande eine kurze Borste.

Auf der Ventralseite stehen zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar drei Paar sehr kleiner Borsten, zwischen dem zweiten und dritten zwei Paar etwas größerer, zwischen dem dritten und vierten und im Niveau des vierten je ein eben solches. Nahe dem Hinter- rande stehen nahe bei einander zwei Paar Borsten.

Die erste Serie der Borsten der Dorsalseite des g' (Fig. 19) ist ähnlich der des © gestaltet, bei der zweiten sind die Innenborsten nicht schuppenartig, sondern einfach und eingliederig und stehen etwas vor den Außenborsten. Die Geschlechtsöffinung liegt zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar und ist von drei Paaren kurzen Borsten umgeben. Darauf folgt ein Paar einfacher kräftiger Borsten

Fig. 20.

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zwischen dem dritten und vierten Fußpaar und ein Paar schwächerer und kürzerer im Niveau des vierten Fußpaares und, dem Hinterrand genähert, ein Paar etwas stärkerer. Der Penis ist zwischen dem dritten und vierten Fußpaar inseriert, erstreckt sich in ziemlich ge- rader Richtung nach hinten, biegt etwa in der Mitte zwischen dem vierten Fußpaar und dem Hinterrand um, macht dann zwei Windun- gen und verläuft in einem sehr flachen Bogen nach der Geschlechts- öffnung.

Die Beborstung der Ventralseite des g' gleicht der des © und ist aus der Fig. 20 zu ersehen.

Am zweiten Fußpaar stehen zwei Krallen, eine große und eine kleine schwer zu erkennende; das dritte und vierte Fußpaar ist mit einer starken Kralle versehen.

Diese Art lebt wie M. Claparedei auf der Waldspitzmaus (Sorex vulgaris L.).

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Myobia Michaeli nov. sp. ‚Fig. 21, 22.)

Länge des ©: 0,45 mm, Breite: 0,25 mm.

Länge des gt: 0,53 mm, Breite: 0,16 mm.

Die erste Serie der Dorsalborsten des (Fig. 21) besteht aus einem Paar kräftiger, schuppenförmig verbreiterter Außenborsten, neben denen nach innen zu ein Paar sehr winziger steht, und einem Paar kurzer Innenborsten; die zweite Serie zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar aus einem Paar langer Außen- und einem Paar kür- zerer Innenborsten. Eine dritte eben solche Serie befindet sich im Niveau des dritten Fußpaares. Hinter dieser folgt ein Paar Innen- borsten und ein eben solches im Niveau des vierten Fußpaares; sodann eine Serie von vier Borsten, von denen die äußeren etwas größer als

Fig. 21. Fig. 22.

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die inneren sind, und nach diesen zwei kleine Borsten vor der Vulva. Am Hinterrand stehen endlich zwei kurze Borsten. Die Vulvaklappen sind kurz, längsgeriefelt, ihr Außenrand stark convex, ihr Innenrand etwa im letzten Drittel eingekerbt und hier mit einer Borste versehen.

Auf der Ventralseite (Fig. 22) stehen zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar die gewöhnlichen drei Paar kleiner Borsten, zwi- schen dem zweiten und dritten neben einem Paar langer Innenborsten zwei Paar kurzer, zwischen dem dritten und vierten Fußpaar und hinter dem letzteren je ein Paar langer Borsten. Darauf folgen im Niveau der Fortsätze, auf denen die großen Endborsten stehen, drei Paare kurzer Borsten und seitwärts von diesen nach außen jederseits eine nahe am Außeurande stehende Borste, schließlich am Hinter- rande ein Borstenpaar.

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Vom g! besitze ich bis Jetzt nur ein schlecht erhaltenes Exem- plar und vermag daher mit Sicherheit nur anzugeben, daß die erste Serie der Rückenborsten wie beim © gestaltet ist und daß die Innen- borsten der zweiten Serie sehr kurz sind, während die Außenborsten bis über das vierte Fußpaar hinausragen. Im Niveau des dritten Fuß- paares steht ein Paar sehr langer Außenborsten, die über den Hinter- rand hinausragen, auch befindet sich hier die Geschlechtsöffnung, die mit zwei Paar kurzer Borsten umgeben zu sein scheint. Zwischen dem dritten und vierten Fußpaar steht noch ein Paar kräftiger Borsten, sodann hinter dem vierten ein Paar kurzer, und ein eben solches in der Nähe des Hinterrandes.

Das zweite Fußpaar ist mit zwei gleich großen Krallen versehen, zwei eben solche längere, jedoch ungleich große befinden sich am dritten und vierten Fußpaar.

Ich habe diese Art auf der Hausspitzmaus, Crocidura araneus (Schreb.), gesammelt, von der ich einige Exemplare der Güte des Herrn Präparators Ad. Weber in Bremen verdanke, der dieselben in Lem- förde gefangen hat. Ich erlaube mir, sie Herrn A. D. Michael in London zu widmen in Anerkennung seiner Verdienste um die Aca- rinologie und zum Dank für seine freundliche Unterstützung meiner Myobien-Studien.

Myobia Trouessartinov. sp. Fig. 23, 24, 25.)

Länge des ©: 0,54 mm, Breite: 0,25 mm.

Länge des gt: 0,13 mm, Breite: 0,19 mm.

Die erste Serie der Borsten der Dorsalseite des @ (Fig. 23) ist durch ein sehr breites schuppenförmiges, mit Längssculptur versehenes Außenpaar ausgezeichnet, während die Innenborsten winzig klein sind. Die Borsten der zweiten Serie zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar sind sämmtlich schuppenförmig, die äußeren, breitesten sind sehr lang und reichen bis über das vierte Fußpaar hinaus. Die Außen- borsten der dritten Serie zwischen dem dritten und vierten Fußpaar sind ebenfalls sehr breit und schuppenförmig, die Innenborsten sind schmal und weit nach vorn bis in das Niveau des dritten Fußpaares gerückt. Auf diese folgen drei Paar ebensolcher allmählich kürzer werdender Innenborsten und vor der Vulva eine Serie von vier ziem- lich kräftigen Borsten, hinter derselben ein Paar kurzer Borsten. Kurz vor dem Hinterrande steht ein kurzes Borstenpaar und ein eber- solches am Hinterrande. Die Vulvaklappen sind verhältnismäßig klein, von rechteckiger Gestalt, am distalen Eude eingekerbt und hier mit einem etwas gekrümmten Haken versehen.

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Zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar stehen auf der Ven- tralseite des Q drei Paar kurzer Borsten, zwischen dem zweiten und dritten eine Serie von vier breiten, nahe an einander gerückten gleich langen Schuppenborsten mit Längssceulptur, die bis über das vierte Fußpaar hinausreichen. Zwischen dem dritten und vierten Fußpaar folgt ein Paar ziemlich langer gewöhnlicher Borsten und etwas hinter dem vierten Fußpaar eine Serie von zwei ziemlich langen Innen- und zwei kürzeren Außenborsten. Nahe dem Hinterrande stehen vier kurze Borsten und an diesem zwei noch kürzere.

Auf der Dorsalseite des g! (Fig. 24) sind die Borsten der ersten Serie zwischen dem ersten und zweiten Fulpaar wie beim © gestaltet. Hinter denselben befindet sich die Geschlechtsöffnung, von einer großen Menge kleiner Borsten umgeben. Der Penis entspringt im Niveau des vierten Fußpaares und ist fast gerade gestreckt. Zwischen dem zweiten und dritten Fußpaar steht ein Paar breiter Schuppen- borsten, die sich bis weit über das vierte Fußpaar hinaus erstrecken

Fig. 25.

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und weit vor diesen im Niveau des zweiten Fußpaares ein Paar sehr winziger Innenborsten. Ein weiteres Paar sehr langer schuppen- artiger Außenborsten steht hinter dem vierten Fußpaar und schließ- lich eine Serie von vier kleinen Borsten in der Nähe des Hinterrandes.

Auf der Ventralseite des q! (Fig. 25) stehen zwischen dem ersten und zweiten Fußpaar drei Paar sehr kleiner Borsten, zwischen denı zweiten und dritten Fußpaar die vier langen charakteristischen Schup- penborsten, die bis über das vierte Fußpaar hinausreiehen. Auf diese folgt noch zwischen dem dritten und vierten Fußpaar ein Paar sehr langer, sodann hinter dem vierten Fußpaar zwei Paar schr kurzer so- wie fast an den Seitenrändern nieht weit vom Hinterrande cin Paar sehr kleiner Borsten.

Das erste Fußpaar ist durch einen starken, etwas nach hinten ge- krümmten Fortsatz am Außenrande des ersten Gliedes ausgezeichnet, das auch am Innenrande scharf vorspringt. Die drei übrigen Fuß-

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paare sind mit zwei Krallen versehen, die am zweiten gleich, an den anderen verschieden groß sind. Außerdem tragen dieselben am dritten Gliede auf dessen Dorsalseite einen kleinen zapfenartigen Fort- satz, ähnlich dem bei Myobia pantopus P. & Tr. am vierten Gliede vorkommenden. Im Niveau des zweiten Fußpaares, etwas hinter dem dritten kleinen Borstenpaar auf der Ventralseite, stehen bei beiden Geschlechtern zwei charakteristische zitzenförmige Fortsätze.

Die vorliegende Art, die ich Herrn Dr. E. L. Trouessart in Paris in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Kenntnis pa- rasitischer Acariden und zum Danke für stets bereitwillige Unter- stützung zu widmen mir erlaube, ist von demselben im Pariser Mu- seum anf einem trockenen Balg von Potamogale velox Dyb., einer am Congo lebenden Marder-Art, gesammelt worden. Ob diese der eigent- liche Wirth ist, oder ob es sich um ein zufälliges Vorkommen, wie das der Myobia brevihumata Haller auf Mustela vulgaris handelt, steht dahin. Auf Mustela erminea L. und Foetorius putorius (L.) habe ich bisher vergeblich Myobien gesucht.

Aus meinen bisherigen Untersuchungen geht hervor, daß die Myobien auf Fledermäusen, Nagern, Insectenfressern und vielleicht auch auf Raubthieren (Mardern) vorkommen. Es scheint, daß, mit Ausnahme der Myobia musculi (Schrk.), die auf zwei verschiedenen Wirthen (Mus musculus und Mus silvaticus) sich findet, die verschie- denen Arten ihren besonderen Wirth haben!!. Dagegen kann, wie das Vorkommen von Myobia musculi (Schrk.) und Myobia affinis mihi auf Mus musculus und von Myobia Claparedei mihi und Myobia elon- gata mihi auf Sorex vulgaris zeigt, ein Wirth zwei verschiedene Myo- bien-Arten beherbergen.

2. Neue Kriechthiere (Scelotes, Arthroleptis) von den Seychellen. Von Prof. Dr. O. Boettger in Frankfurt a/M. eingeg. 30. Mai 1896. (Fam. Scincidae.) Scelotes Braueri n. sp.

Char. Ausgezeichnet vor allen bekannten Arten der Gattung durch vier Finger und fünf Zehen. Schnauze zugespitzt, nicht über den Unterkiefer vorgezogen; Orbitalgegend vorquellend; Auge mäßig groß; unteres Augenlid beschuppt; Ohröffnung rund; Supranasalen

11 Ob die auf Rhinolophus hipposideros und Vesperugo pipistrellus vorkom- menden Myobien identisch sind, vermag ich wegen Mangels an Vergleichsmaterial noch nicht zu entscheiden.